Milchwirtschaft in den Alpenländern

Milchwirtschaft in den Alpenländern

Mandelmilch, Kokosmilch, Sojamilch & Co. sind derzeit in aller Munde und die altbekannte Kuhmilch rückt im Regal gefühlt immer weiter nach hinten – die Trendbewegung der Milch-Alternativen ist in vollem Gange während Kuhmilch in den letzten Jahren zunehmend als umweltschädlich abgestempelt wurde. Cafés und Restaurants, welche die pflanzlichen Alternativen zur herkömmlichen Kuhmilch nicht anbieten, gelten mittlerweile quasi als rückständig. Ebenso betrachten viele Befürworter der pflanzlichen “Milchgetränke” konservative Kuhmilch-Konsumenten skeptisch und kritisieren den Konsum als umweltschädlich. Doch wie nachhaltig sind die pflanzlichen Milchalternativen wirklich, und wie schneiden sie im Nährwertvergleich ab?

Befürworter der altbewährten Kuhmilch und Landwirte aus den Alpen argumentieren nämlich, dass Kuhmilch unter tierfreundlicher Haltung und mithilfe regenerativer Landwirtschaft sogar nachhaltiger ist, als die derzeit angepriesenen Alternativen. Diese argumentieren auch, dass Kuhmilch gewissermassen ein pflanzliches Produkt ist, da ihre Ursprungsquelle und Biomasse das Gras ist. Die Milch sei lediglich ein von der Kuh katalysiertes Endprodukt, das für den Menschen letztendlich eine ideale und nachhaltige Proteinquelle bietet.

Wer genau Recht hat, wie gesund die unterschiedlichen Milcharten sind und welche Milch eine bessere Ökobilanz hat, das möchten wir in diesem Artikel einmal näher beleuchten.

Wie entsteht Kuhmilch?

Kühe sind Vegetarier und fressen Gras – das sollte den meisten von uns bekannt sein. Was viele Menschen allerdings nicht wissen, ist, dass eine Kuh nur dann Milch produziert, wenn sie trächtig ist. Trägt eine Kuh also ein Kalb in sich, dann produziert sie ab dem zweiten Monat ihrer Schwangerschaft Milch. Das von der Kuh gefressene Gras wird dann im Euter durch diverse chemische Prozesse in die uns bekannte Milch umgewandelt. Gewissermassen ist die Kuhmilch deshalb zu 100% pflanzlich und wird von der Kuh als Katalysator in die weisse Milch umgewandelt. Das ist für uns Menschen besonders hilfreich, denn wir selbst können die Zellulose im Gras nicht verwerten. Das für uns unverwertbare Gras, die zugrundeliegende Biomasse, wird später mittels Fermentationsprozess in hochkomplexe Proteinstrukturen gewandelt.

Warum Kuhmilch einen so grossen Stellenwert hat, wertvoll ist und sogar einen riesigen Anteil an der menschlichen Evolution und der Zivilisation hat, das möchten wir mit einem kurzen Abstecher in die Geschichte erklären.

Dazu fragen wir uns, seit wann Menschen eigentlich Kuhmilch konsumieren?

Die Evolution der Milch

Die noch nicht abgeschlossene, menschliche Evolution im Zusammenhang mit Kuhmilch haben wir vermutlich alle bereits schon einmal in unserem Alltag erleben können – ,,Ich bin laktoseintolerant”, ist hierbei das Stichwort.

Die Fähigkeit, Kuhmilch zu trinken und verdauen zu können, haben wir uns nämlich evolutionär erst über die letzten Jahrtausende angeeignet. Hier könnte ein Vergleich gezogen werden zur Evolution der menschlichen Haltung – erst bewegten wir uns auf allen Vieren fort, später geduckt auf unseren Handknöcheln und heute schliesslich im aufrechten Gang. Menschheitsgeschichtlich befinden wir uns in Hinsicht auf die Kuhmilch erst im geduckten Gang, da noch nicht alle Menschen auf der Welt Kuhmilch problemlos verdauen können. Diese Menschen sind laktoseintolerant. Ist jemand laktoseintolerant, dann fehlt ihm ein bestimmtes Gen, um die Laktase zu produzieren. Laktase ist ein Enzym, das die in der Milch enthaltene Laktose in die Bestandteile Galactose und Glucose spaltet. Diese chemische Reaktion sorgt dafür, dass die Bestandteile des Milchzuckers (Laktose) von der Dünndarmschleimhaut aufgenommen werden können.

Seit Generationen können die meisten von uns Milchprodukte, bzw. den Milchzucker Laktose, verwerten. Eine Mutation in unseren Genen hat dazu geführt, dass die meisten europäischen Menschen eine Version des sogenannten LCT-Gens in sich tragen, welches die Laktaseproduktion, die wir als Babys und junge Kinder naturgegebenermassen aufweisen, in späteren Jahren nicht eingestellt wird, sondern fortwährt. In Asien z.B. haben die Menschen nach wie vor mit der Laktoseintoleranz zu kämpfen, da der Grossteil der Bevölerung nicht über das LCT-Gen verfügt. 

Der Genetiker Mark Thomas und sein Forschungsteam vom University College im Vereinigten Königreich haben es geschafft, den Ursprung der Laktosetoleranz auszumachen. Interessant ist auch, dass der Beginn der bäuerlichen Lebensweise mit dem Aufkommen der Laktoseverträglichkeit unmittelbar in Zusammenhang zu bringen ist. Thomas’ Erkenntnissen zufolge nahmen die ersten Menschen vor circa 7450-7900 Jahren, im Raum des heutigen Rumäniens und Ungarn, erstmals Milchprodukte zu sich. Zu dieser Zeit lebte in diesen Breitengraden die sogenannte Linienbandkeramische Kultur, die eine der bedeutendsten Bevölkerungen im Europa der Jungsteinzeit war. Dieser Kultur wird, besonders durch den revolutionären Verzehr von Milchprodukten, der Anfang unserer Zivilisation und der Landwirtschaft zugeschrieben. Die ersten “Milchtrinker” verbreiteten sich nämlich von dort aus rasant über den gesamten europäischen Raum und begannen die Landwirtschaft zu etablieren. 

Abgesehen von den enormen soziokulturellen und ökonomischen Vorteilen, die der Milchkonsum auf die Menschheitsgeschichte hatte, haben auch die gesundheitlichen Vorteile und der hohe Nährstoffgehalt der Kuhmilch den Menschen in seiner Entwicklung begünstigt.

Wenn Kuhmilch etwas so ursprüngliches ist und der Wegbereiter für die Landwirtschaft war, von der wir alle profitieren, warum ist sie dann so in Verruf geraten?

Wir möchten die Ökobilanz der Kuhmilch nicht aussenvorlassen und die wichtigsten Kritikpunkte folglich adressieren.

Nachhaltigkeit von Kuhmilch

Die Kuhmilch ist in den letzten Jahren zugegebenermassen aus legitimen Gründen in Verruf geraten: Massentierhaltung, Euterentzündungen und ethisch-fragwürdige Konditionen in der Tierhaltung von Kühen in der Landwirtschaft haben vielen von uns die Augen geöffnet und regen zum Um- und Nachdenken an. Die immer weiterwachsende Nachfrage und der folglich steigende Konsum von Fleisch- und Milchprodukten hat zu tierunwürdigen Verhältnissen für viele Kühe und Rinder gesorgt. Gierige Konzerne und Profit haben einen Schatten auf das einst natürliche Zusammenleben von Kuh und Mensch gelegt. Dass die Verhältnisse der Massentierhaltung nicht zu befürworten sind, diese kritisiert werden und zukünftig tierfreundlicher reguliert werden sollen, ist nicht in Frage zu stellen und indiskutabel. Auch wir spreche uns aktiv und laut gegen Massentierhaltung aus.

Es gibt jedoch unzählige Landwirte, besonders in den Alpenregionen, die traditionsgemäss und seit Generationen auf eine regenerative und natürliche Landwirtschaft setzen, in der die Kuh nicht leiden muss, sondern in behüteten Verhältnissen von Milchbauern gezüchtet und gepflegt wird. Der Respekt vor der Natur und dem Tier wurde und wird gewahrt. Diese Stimmen möchten wir uns deshalb anhören.

Milchwirtschaft kann CO2-neutral betrieben werden

Werden Milchkühe in regenerativer Landwirtschaft gehalten, dann kann Milchwirtschaft CO2-neutral oder sogar CO2-negativ betrieben werden. Bei dieser Form der Landwirtschaft, aus der wir ausschliesslich die Zutaten für all unsere Produkte beziehen, lebt die Kuh ein qualfreies Leben in natürlichen Verhältnissen. Die Milchproduktion wird nicht künstlich erhöht, die Kühe fressen Gras von der Weide und erhalten keine gepunchten Futtermittel, die in der Herstellung Treibhausgase produzieren, sondern lokal wachsen und gedeihen. Kühe werden zwar immer Methan ausstossen, dieses kann jedoch durch Aufforstung oder die Nutzung von Solarstrom und Wasserkraftwerken in seinem ökologischen Fussabdruck neutralisiert werden.

Die Milchwirtschaft in den Alpenländern ist ein Vorreiter dieser CO2-neutralen Kuhmilch. Durch die regenerative Landwirtschaft, die biologische Haltung und Fütterung der Milchkühe, wird die produzierte Milch zu einer nachhaltigen Proteinquelle, die einen 100% pflanzlichen Ursprung hat.

Vergleich von Milch mit Milch-Alternativen

Vergleicht man Kuhmilch mit den pflanzlichen Alternativgetränken in Hinsicht auf die Nährstoffe, dann schliesst Kuhmilch deutlich besser ab. Kuhmilch liefert etliche Nährstoffe und Mineralien in hohen Konzentrationen und benötigt keine nachträglichen Zusätze, um erwünschte Nährwertmengen zu erreichen, da sie diese bereits natürlich enthält. Kuhmilch gilt nicht umsonst als Grundnahrungsmittel. Hinsichtlich der Ökobilanz lässt sich feststellen, dass Kuhmilch aus Massentierhaltung nicht befürwortet werden sollte und keine gute Ökobilanz hat – sie trägt durch den hohen Stickstoffausstoss zu den Treibhausgasen bei. Kuhmilch aus regenerativer Landwirtschaft hingegen kann CO-2 neutral oder sogar CO-2 negativ sein und hat demnach eine exzellente Ökobilanz.

Zum Vergleich hinsichtlich der Nährstoffe: Hafermilch besitzt meistens nur einen Drittel der Eiweissmengen, die wir in Kuhmilch vorfinden. Bei den Nährwerten Kalzium, Kalium und Eiweiss hat die Kuhmilch ebenso bessere Nährstoffgehalte vorzuweisen, als z.B. Sojamilch. Kuhmilch enthält zudem rund 400 Fettsäuren, was keines der pflanzlichen Alternativgetränke vorweisen kann. Ebenso ist in Kuhmilch das Wachstumshormon IGF-1 enthalten, das Menschen erwiesenermassen grösser und länger macht. Zudem wissen wir, dass Proteine aus Pflanzen schlechter von unserem Körper verarbeitet werden, als tierische Proteine, wie wir sie in der Kuhmilch vorfinden. Hinzu kommt, dass der Nährstoffgehalt von pflanzlicher Milch zumeist nachträglich durch Zusätze künstlich erhöht wird, sodass er mit den Nährwerten der Kuhmilch mithalten kann.

Doch wie schneiden die Milch-Alternativen hinsichtlich der Ökobilanz ab? Sind sie wirklich nachhaltiger als Kuhmilch?

Sojamilch und die Abholzung der Regenwälder

Pro Jahr werden circa 35 Millionen Tonnen Soja importiert, wovon mehr als die Hälfte aus Brasilien stammen. Die gigantischen Soja-Felder verdrängen dort den Millionen Jahre alten Regenwald. Die Regenwälder und Savannen sind Lebensräume für etliche Tiere und Insekten, die aus ihrem Lebensraum vertrieben werden. Die für die Felder verwendeten Pestizide belasten zusätzlich die Böden und das Grundwasser in den Regionen. Die angepflanzten Monokulturen sind grösstenteils genetisch manipuliert, damit sie Schädlinge besser abwehren können und ertragreicher sind. Sojamilch ist demnach häufig nicht nachhaltig und hat keine gute Ökobilanz vorzuweisen.

Kuhmilch-Kritiker merken häufig an, dass der Grossteil der Sojaproduktion für die Produktion von Tierfutter, wie z.B. für Kühe in der Massentierhaltung verwendet wird. Das stimmt, trifft jedoch nicht auf die Milchkühe in regenerativer Landwirtschaft zu, da diese das lokale Gras fressen und biologisch ernährt werden. Wir stimmen zu, dass die Ernährung von Kühen mit Sojaschrot nicht zu befürworten ist, da die Ausscheidungen einer mit Soja gefütterten Kuh extrem nitrathaltig sind und die Böden und Äcker belasten, die wiederum die Nitratbelastung an das Grundwasser weitergeben. Eine regenerative Landwirtschaft setzt diesem teuflischen Kreislauf ein Ende. 

Mandelmilch und das Bienensterben

In Europa und den USA befindet sich die Mandelmilch auf Platz 2 der beliebtesten Kuhmilch-Alternativen. Ganze 80 % der weltweit produzierten Mandeln stammen aus Kalifornien, wo riesige Monokulturen die lokale Flora und Fauna verdrängen. Zudem sorgt das trockene Klima in Kalifornien dafür, dass extrem hohe Wassermengen benötigt werden, damit die Ernte erfolgreich ist. Einer der verheerendsten Faktoren der Mandelproduktion sind jedoch die Bienen. Die Mandelbäume in Kalifornien müssen regelmässig bestäubt werden, damit sie Mandeln produzieren. Um dies zu gewährleisten, werden jährlich Milliarden von Bienen auf den kalifornischen Plantagen verteilt. Die Bienen sind ständigen Transporten, hohen Besatzdichten, enormem Stress und der pestizidbelasteten Umgebung hilflos ausgesetzt. Das Immunsystem der Bienen wird durch diese Verhältnisse geschwächt, was sie angreifbar hinsichtlich Viren und Parasiten macht. Diese chronische Schwächung des Immunsystems der Bienen ist evolutionär kritisch zu betrachten und gilt als Mitverursacher für das Bienensterben.

ForscherInnen der Universität von Kalifornien stellten zudem fest, dass bei der Produktion von Mandelmilch etwa 17 Mal mehr Wasser benötigt wird im Vergleich zu Kuhmilch.

Fazit – Kuhmilch aus regenerativer Landwirtschaft in den Alpen

Unser Fazit fällt demnach folgendermassen aus: Kuhmilch aus Massentierhaltung ist nicht nachhaltig und sollte nicht unterstützt werden während regenerative Milchwirtschaft CO-2 neutral oder sogar CO-2 negativ sein kann. Kuhmilch aus der regenerativen Landwirtschaft in den Alpen hat häufig sogar eine bessere Ökobilanz als die importierten, pflanzlichen Alternativen.

Die Nährwerte von Kuhmilch schneiden im Vergleich mit den pflanzlichen Alternativen häufig besser ab und machen sie zu einem Grundnahrungsmittel für den Menschen. Ein gemässigter Konsum von Kuhmilch aus regenerativer Landwirtschaft kann also nachhaltiger und gesünder sein, als die pflanzlichen Alternativen, die in ihren Nährwerten häufig schwanken und deshalb nachträglich Zusatzstoffe hinzugefügt bekommen, sowie häufig mit einer schlechten Ökobilanz einhergehen, da sie hohe Wassermengen in der Herstellung benötigen, zum Bienensterben beitragen oder die Abholzung der Regenwälder im Ausland verursachen.

BE THE CHANGE® arbeitet deshalb mit eigenen Lieferanten aus der Schweizer Milchwirtschaft zusammen und pflegt persönliche und langjährige Beziehungen mit allen Landwirten und Bauern. Die biologische und regenerative Landwirtschaft gehören zum Leitbild unseres Unternehmens. Wir arbeiten ausschliesslich mit ausgewählten Landwirten und Bäuerinnen zusammen, welche die Kühe und Kälber in ihrem Wesen und in ihren natürlichen Bedürfnissen respektvoll hegen und liebevoll pflegen nach dem Prinzip der biologischen und regenerativen Landwirtschaft.

Wir wissen genau, welche Milchprodukte von welcher Mutterkuh stammen, denn die umfassende Gesundheit der Kühe ist entscheidend für vertretbare und gesunde Milchprodukte. Das Wohl der Tiere steht in direktem Zusammenhang mit der Auslaufhaltung auf gesunden Weiden, der heimischen und natürlichen Ernährung, sowie der artgerechten und liebevollen Tierhaltung, damit hochwertig und reichhaltige Kuhmilch entstehen kann. Kuhmilch aus regenerativer Landwirtschaft in den Alpen ist nachhaltig, im Einklang mit der Natur, entspricht dem Tierwohl und bietet eine exzellente Nährstoff- und Proteinquelle für uns Menschen.

 

 

Quellen:

https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/produkte-aus-der-landwirtschaft/soja

https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/16337-rtkl-ernaehrung-und-nachhaltigkeit-ist-tofu-schlecht-fuer-die-umwelt

https://www.agrarheute.com/management/agribusiness/arla-kuendigt-klimaneutrale-milch-geht-575186#:~:text=Wie%20kann%20Milch%20ohne%20CO2,Verbrauchern%20gern%20als%20Klimakiller%20bezeichnet.

https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/oekobilanz-pflanzenmilch#:~:text=ForscherInnen%20der%20Universit%C3%A4t%20von%20Kalifornien,Daten%20auf%20den%20kalifornischen%20Mandelanbau.

https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/News/Dateien/Ern%C3%A4hrungsphysiolog-Bewertung-Milch-Milchprodukte.pdf

https://journals.plos.org/ploscompbiol/article?id=10.1371/journal.pcbi.1000491

https://academic.oup.com/ajcn/article/106/2/597/4557638?sid=3c61dcf3-669a-4730-9818-b9503ae0b51b

https://www.ioes.ucla.edu/wp-content/uploads/cow-vs-almond-milk-1.pdf


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